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Malawi: Wirtschaft und Umwelt

25.02.2019 - Artikel

Grundlagen

Malawi ist ein Agrarland mit dominierender Subsistenzwirtschaft sowie dem Staat als bedeutendstem wirtschaftlichen Akteur. Es weist daher viele Elemente eines Staatshandelslands auf. Beim neuesten Index der menschlichen Entwicklung (HDI) von UNDP wird Malawi auf Rang 171 (von insgesamt 189 Staaten) geführt. Damit gehört Malawi zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die Armut trifft vor allem die Menschen auf dem Land. Unterernährung ist weit verbreitet. Dürreperioden sowie Überflutungen führen immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit. Als ressourcenarmes, infrastrukturell unterentwickeltes und bildungsschwaches Land ist Malawi in außerordentlich hohem Umfang auf ausländische Hilfe angewiesen.

Die Wirtschaftspolitik ist entwicklungsorientiert und zielt auf die Bekämpfung von Armut und die Sicherung einer ausreichenden Ernährung der Bevölkerung. Die Regierung verfolgt eine weitgehend marktwirtschaftliche Politik und setzt Bemühungen zur Liberalisierung und Privatisierung der Wirtschaft fort. Prioritäre Ziele sind Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur, Stärkung des Privatsektors und Förderung von Privatinvestitionen, Ausbau der Infrastruktur (v.a. Energie und Transport) sowie Verbesserung von Bildung und Ausbildung.. Allerdings erweist sich die Umsetzung als schwierig. Im öffentlichen Dienst fehlen die Kapazitäten, um die schlechten Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Engagement schnell und nachhaltig zu verändern. Neben der schlechten Infrastruktur, fehlendem Zugang zu Finanzierung und bürokratischen, ineffizienten Prozessen bleiben auch Korruption und Klientelismus wesentliche Hindernisse.

Die Bevölkerung wächst jährlich um 2,9 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, wird sich die Bevölkerung von derzeit etwa 17,6 Millionen Menschen in 25 Jahren verdoppelt haben. Rund 51 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre. Das Bevölkerungswachstum stellt daher eine zentrale, übergreifende Herausforderung für das Land dar, insbesondere für die Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, aber auch für Umwelt- und Ressourcenschutz. Die Alphabetisierungsquote liegt bei 62,1 Prozent, die Kindersterblichkeit bei 5,5 Prozent. Der Bevölkerungsdruck hat zu einer weitgehenden Entwaldung (Feuerholzgewinnung) geführt. Malawi ist zudem eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Zur Finanzierung von Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und natürlichen Ressourcen sowie zur Anpassung an den Klimawandel ist das Land auf externe Hilfe angewiesen.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Nach Krisenjahren mit hoher Inflation und Währungsverfall hat die Regierung mit einer konsequenten Stabilisierungspolitik seit zwei Jahren das makroökonomische Klima deutlich verbessern können. Die Inflationsrate lag 2018 durchgängig bei (knapp) unter 10 Prozent. Die Landeswährung Kwacha seit zwei Jahren stabil. Das Wirtschaftswachstum schwankt stark. Nach gutem Wachstum von rund fünf Prozent in 2017 ging es wegen Ernteausfällen 2018 zurück auf unter vier Prozent.

Die Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung der Bevölkerung steht seit jeher im Zentrum der malawischen Wirtschaftspolitik. Mit Hilfe eines Subventionsprogramms vermochte die Regierung seit 2005 die Produktion des Grundnahrungsmittels Mais zunächst zu steigern. Die fortdauernde Subventionspolitik führte jedoch mittelfristig zu Marktfehlverhalten und vermochte es nicht, die Zahl der Armen dauerhaft zu reduzieren und die Nahrungsmittelproduktion nachhaltig zu sichern. Gleichzeitig blockierte sie große Teile des Staatsbudgets, so dass für andere Maßnahmen zur Förderung von Landwirtschaft, Diversifizierung und privatwirtschaftlichem Engagement kaum Spielraum blieb. Straffung und Neuausrichtung des Subventionsprogramms seit 2016 haben bisher nur begrenzt zu Verbesserungen im Agrarsektor geführt.

In den letzten Jahren (v.a. Anbausaison 2014/15 sowie 2015/16) gab es mehrere, maßgeblich durch das mit Dürren und Fluten einhergehende El Niño-Phänomen verursachte schlechte Ernten hintereinander. Die Anzahl der auf Nahrungsmittelhilfe angewiesenen Menschen stieg Anfang 2017 auf einen historischen Höchststand von 6,7 Millionen, knapp 40 Prozent der Bevölkerung. Die beiden folgenden Ernten haben die Situation deutlich entspannt. Doch mit zunehmenden klimatischen Schwankungen und der Verbreitung eines eingeschleppten Pflanzenschädlings, des amerikanischen Heerwurms, sind Diversifizierung der Landwirtschaft und klimaresiliente Anbaumethoden dringlicher denn je, um eine Wiederkehr der Situation von Anfang 2017 zu verhindern.

Auch die durch den Klimawandel zunehmend schwankende Wasserverfügbarkeit  hemmt die Entwicklung der malawischen Wirtschaft massiv. Nur 12 Prozent der malawischen Bevölkerung sind an das nationale Stromnetz angeschlossen. Da der Strom zu über 90 Prozent durch Wasserkraft erzeugt wird, kommt es insbesondere zum Ende der Trockenzeit zu massiven Engpässen in der Stromversorgung mit erheblichen Folgen für die Wirtschaft. Der Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten aus anderen erneuerbaren Quellen (v.a. Sonne) kommt langsam voran, hat den Durchbruch aber noch nicht geschafft.

Eine andauernde Herausforderung für die Regierung ist die grundlegende Reform des öffentlichen Finanzwesens nach dem großen Finanzskandal von 2013 (lokal als “Cashgate” bezeichnet). Cashgate hatte das Vertrauen in die staatlichen Institutionen nachhaltig erschüttert und fast alle internationalen Geber veranlasst, zwar nicht die Entwicklungszusammenarbeit insgesamt, wohl aber Budgethilfezahlungen einzufrieren. Die Resultate bei der Aufklärung von Cashgate und bei der Umsetzung der nötigen Reformen, zum Beispiel im Beschaffungswesen, liegen bislang noch hinter den Erwartungen zurück.

Wirtschaftssektoren

Malawi zeigt weiterhin keine Anzeichen für einen Strukturwandel von einer landwirtschaftlich geprägten zu einer Industriegesellschaft. Traditionell ist die Landwirtschaft geprägt von wenig effizienter Subsistenzwirtschaft (ca. 84% der Bevölkerung) und einem kommerziellen Subsektor mit Fokus auf die cash crops Tabak, Zucker, Tee und Baumwolle. Der Sektor macht 80 Prozent der Exporteinnahmen aber nur 28 Prozent des BIP aus. Circa 64 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft aktiv. Selbst die wenigen mittelgroßen und großen Betriebe im Land verkaufen hauptsächlich unverarbeitete landwirtschaftliche Produkte. Wirtschaftszweige wie, verarbeitende Industrie und Bau, etc. tragen nur in geringem Umfang zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der Dienstleistungssektor wächst vor allem durch die Ausbreitung der Telekommunikation.

Außenhandel

Die Außenwirtschaft ist gekennzeichnet von strukturellen Defiziten in Handels- und Leistungsbilanz und einer relativ hohen Auslandsverschuldung. Tabak ist das wichtigste Exportgut und erbrachte in den letzten zehn Jahren durchschnittlich etwa die Hälfte der Exporterlöse. Andere Exportgüter sind Zucker, Tee und Kaffee sowie zunehmend Hülsenfrüchte. Wichtigste Abnehmer sind die EU (circa 50 Prozent der malawischen Exporte), Simbabwe, Südafrika sowie die Nachbarländer Mosambik und Sambia. Die große Abhängigkeit von wenigen und zudem kaum verarbeiteten Exportprodukten macht die Wirtschaft anfällig für äußere Einflüsse wie Dürreperioden oder Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

Die Einfuhr besteht in erster Linie aus mineralischen Brennstoffen, Düngemitteln, pharmazeutischen Erzeugnissen und verarbeiteten Lebensmitteln. Wichtigster Lieferant ist Südafrika, gefolgt von China, den VAE, Indien und Sambia.

Klima und Umwelt

Klimaschutz und –anpassung sowie Umwelt- und Ressourcenmanagement gehören theoretisch zu den prioritären Themen der malawischen Entwicklungspolitik. Die Regierung versucht, Aspekte des Klimawandels in den Bereichen Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Wassermanagement aufzugreifen. Nach dem Pariser Klimagipfel hat Malawi erstmals eine nationale Klimastrategie verabschiedet. Malawi gehört zudem seit August 2017 der NDC-Partnerschaft zur Umsetzung der im Rahmen des Pariser Abkommens vereinbarten Nationally Determined Contributions (NDC; national festgelegte Beiträge) an. Das Land bedarf massiver externer Unterstützung, um diese Zusagen auch in die Umsetzung zu bringen.

Malawi verfügt über ein breites Spektrum an Naturschätzen. An vorderster Stelle ist dabei der 560 Kilometer lange Malawisee zu nennen, Heimat für über 450 Arten endemischer Buntbarsche. Die Hochplateaus Nyika (im Norden) und Zomba (im Süden) sowie mehrere Nationalparks (Machete, Liwonde, Nkhotakota), deren Tierbestände sich in den letzten Jahren – auch durch externe Eingriffe wie Elefantentranslokation und Wiederansiedlung von Löwen, Geparden und Nashörnern – vergrößert haben, sind weitere Regionen mit besonderer Flora und Fauna und hohem touristischem Wert.

Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Bezüglich der bis 2015 zu erreichenden “Millennium Development Goals” zum Umweltschutz ergab sich bei Malawi eine gemischte Bilanz. Fortschritte waren insbesondere zu verzeichnen beim Zugang der Bevölkerung zu verbesserter Trinkwasserversorgung (81 Prozent, Ziel übererfüllt) und verbesserten sanitären Einrichtungen (93 Prozent, Ziel übererfüllt).

Alarmierend bleibt weiterhin die Entwaldung. Von 41 Prozent Waldfläche im Jahr 1990 verblieben 2016  noch 33,2 Prozent. Das Ziel der Aufforstung auf 50 Prozent wurde bisher deutlich verfehlt. Zentrales Problem ist, dass weiterhin fast die gesamte malawische Bevölkerung auf die Nutzung von Holz und Holzkohle als einzig erschwingliche Energiequelle angewiesen ist.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird routinemäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Malawi ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Nähere Informationen hierzu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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